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Kurze, praxisnahe Beiträge aus Projekten und Beratung – für Entscheider:innen, Projektteams und Logistikverantwortliche.

KI in der Intralogistik

KI wird in der Intralogistik dann wirklich wertvoll, wenn sie Messbarkeit liefert: weniger Fehlbestände, stabilere Lieferfähigkeit und bessere Ressourcenauslastung. Entscheidend ist nicht „KI um der KI willen“, sondern ein klarer Use-Case mit sauberen Daten und einem Prozess, den man versteht.

Wo KI heute schon konkret ansetzt

  • Bestands- & Nachschubprognosen: Echtzeitdaten und Mustererkennung reduzieren Über- und Fehlbestände.
  • Kommissionierung & Wege: Pick-Strategien, Batching und Slotting lassen sich datenbasiert verbessern.
  • Predictive Maintenance: Frühwarnsignale aus Sensorik/Logs helfen, Ausfälle zu vermeiden.
  • Qualitätskontrolle (Vision): automatische Erkennung von Abweichungen – weniger Retouren, weniger Nacharbeit.
  • Simulation / Digitaler Zwilling: „Was-wäre-wenn“-Szenarien für Layout, Durchsatz, Personal und Peak-Planung.

Nutzen – aber nur, wenn die Grundlagen stimmen

Viele Projekte scheitern nicht an Algorithmen, sondern an der Basis. Eine kurze Standortbestimmung spart Zeit und Geld.

  • Datenqualität: vollständig, aktuell, konsistent (Artikel-, Lagerplatz-, Bewegungsdaten).
  • Prozessklarheit: definierte Regeln (z. B. Prioritäten, Ausnahmen, Sperrgründe) statt „Handarbeit“ im Alltag.
  • IT-Integration: saubere Schnittstellen (WMS/ERP/MFR), nachvollziehbare Event- und Log-Daten.
  • Akzeptanz: Schulung, transparente Ziele und ein Betriebsteam, das die Lösungen tragen kann.

Pragmatischer Einstieg

Starten Sie mit einem kleinen, gut eingrenzbaren Use-Case (z. B. Bestandsprognose oder Wegeoptimierung), definieren Sie KPI (z. B. Fehlbestandsquote, Pickleistung, OEE) und validieren Sie die Ergebnisse in einem Pilot. Danach kann skaliert werden – schrittweise und kontrolliert.

Die Wahl des richtigen Behälterlagers

Behälterlager sind oft das Herzstück eines modernen Lagers – und gleichzeitig eine Entscheidung mit langer Wirkung. Ob AKL, Shuttle, Kompaktlager, Lift, Fachboden oder AMR: die „richtige“ Lösung hängt weniger vom Prospekt ab, sondern von Profil, Betriebskonzept und Wachstum.

Die wichtigsten Entscheidungstreiber

  • Artikel- & Auftragsprofil: Anzahl SKUs, Picks pro Auftrag, Stückzahlen, Peak-Anteile, Retouren.
  • Leistung: gewünschter Durchsatz (Ein-/Auslagerungen, Picks/h), Servicelevel, Cut-off-Zeiten.
  • Bauraum: Höhe, Statik, Brandschutz, Wege, Anliefer-/Versandkonzept, Erweiterungsflächen.
  • Flexibilität: Sortimentswechsel, Saisonalität, neue Prozesse (z. B. Value Added Services).
  • Total Cost of Ownership: Energie, Wartung, Ersatzteile, Personal, Software/Steuerung.

Typische Systeme – kurz eingeordnet

  • AKL (Miniload): sehr hohe Dichte und Leistung – sinnvoll bei stabilen Mengen und klaren Prozessen.
  • Shuttle: skalierbar und leistungsfähig, oft „sweet spot“ zwischen Flexibilität und Automation.
  • Kompaktlager / Lift: platzsparend, gut für kleinere bis mittlere Sortimente und definierte Zugriffsmuster.
  • Fachboden: günstig und flexibel, aber personalintensiver – oft als Ergänzung oder Übergangslösung.
  • AMR/Robotics: spannend bei dynamischem Wachstum und Layout-Flexibilität – Qualität der Software ist zentral.

So kommen Sie zur passenden Lösung

Bewährt hat sich ein Vorgehen in drei Schritten: Profil aufnehmen (Daten & Prozesse), Varianten vergleichen (Kapazität/Leistung/Kosten/Risiken) und realistisch testen (Simulation, Referenzbesuche, Worst-Case-Betrachtung). Wer früh Erweiterbarkeit, Resilienz und Betrieb (Störungen, Wartung, Ersatzteilstrategie) mitdenkt, vermeidet teure Überraschungen.

Herausforderungen bei der Einführung eines LVS

Ein LVS/WMS ist selten „nur“ Software: Es verändert Abläufe, Rollen und Schnittstellen. Erfolgreich wird die Einführung dann, wenn Zielbild, Daten und Betrieb gemeinsam gedacht werden – vom Lastenheft bis zum stabilen Go-live.

Typische Stolpersteine

  • Unklare Ziele: „Wir wollen ein LVS“ reicht nicht – KPI, Prozessregeln und Prioritäten müssen definiert sein.
  • Daten & Stammdaten: Artikel, Lagerplätze, Verpackungsdaten, Sperrgründe – häufig der grösste Aufwandsblock.
  • Prozesse mit Ausnahmen: Sonderfälle (Eilaufträge, Nachlieferungen, Teillieferungen) werden zu spät modelliert.
  • Schnittstellen: ERP, MFR, Etikettierung, Versand/Carrier – Logging und Fehlerbilder gehören ins Design.
  • Test & Migration: zu wenig Zeit für Integrationstests, Performance-Tests und realistische Testdaten.
  • Change & Schulung: fehlende Key-User, unklare Verantwortlichkeiten im Betrieb.

Ein praxiserprobter Fahrplan

1) Zielbild & Scope (KPI, Prozesse, Rollen, Systemgrenzen) · 2) Lastenheft (inkl. Ausnahmen, Reporting, Cut-over) · 3) Umsetzung (Sprints, Reviews, frühe Integration) · 4) Test (End-to-End, Peak, Failover) · 5) Go-live (Schulung, Supportorganisation, Hypercare).

Erfolgsfaktoren

  • Key-User-Setup: Fachbereich ist ab Tag 1 involviert und entscheidet mit.
  • Transparente KPIs: messbare Ziele statt Bauchgefühl – vor und nach dem Go-live.
  • Betrieb im Fokus: Monitoring, Rollen, Incident-Prozess, Trainingskonzept und klare Eskalationswege.